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Editorial Seite 1/1
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Die hundert Wege die nach Rom führen
Globalisierung ist ein immer wieder kehrender Kraftausdruck und widerspiegelt den Zeitgeist. Damit das globale Denken auch funktioniert setzen wir vermehrt auf Standards, die ein jeder nachvollziehen kann. Somit unterscheiden wir den Standard
X vom Standard Y ohne darüber nachdenken zu müssen. Das ist praktisch und erlaubt uns schnell   Entscheidungen zu treffen. Auch, und nun sind wir bereits beim nächsten Modewort unserer Zeit angelangt, sind Standards gut um schnell fusionieren zu können. Fusionieren und gemeinsam am selben Strick ziehen, dem ist nichts vorzuwerfen, im Gegenteil, vereinte Kräfte führen schneller und sicherer zum Ziel.
Das streben nach Perfektion wiederum wird uns aber zusehends einengen, ein Spielraum wird kaum mehr gewährt. Gesunder Menschenverstand und Erfahrung werden dem Standardisierten Menschen geopfert. Doch ist nicht gerade der Mensch ein Individuum? Jeder ist anders,  äusserlich wie in der Art zu denken, zu fühlen und zu interpretieren.

Der Kletterer, er bewegt sich in der Natur. Immer wieder versuchen wir die Natur zu zwingen, sich unserem Willen anzupassen. Das Resultat ist jedes Mal ernüchternd. Hier rüber bin ich jeweils irgendwie froh. Vielleicht spricht da der revolutionäre Teil in mir - zu viele Normen, zu viele Standards!

Im Laufe meiner 30 jährigen Kletterlaufbahn stolpere ich immer häufiger über wirklich gut gemeinte Standards. Sie drücken das Bedürfnis aus einem jeden die Last der Gefahr abzunehmen. Das Problem besteht nun darin das ich nicht mehr gezwungen bin über den Ursprung der Gefahr nachzudenken. Anders ausgedrückt, es wird mir abgenommen mich einer Situation auszuliefern, die Gefahr bedeuten kann. Da dies aber gänzlich unmöglich ist, werde ich irgendwann mit einer solchen Situation konfrontiert. Dumm ist es  wenn mir dies nicht bewusst ist und ich keine Antwort darauf habe.

Improvisation und Erfahrung weg von allen Standards  sind oft der Schlüssel zum überleben.

Ein weiteres bereits diskutiertes Bedürfnis sind  Routen mit standardisierter Absicherung und Hackenabständen. Wo wäre da die Kreativität des Einrichters? Wie kann ein Kletterer so Erfahrung einsetzen und situationsgerechte Entscheide treffen? Oder gar standardisierte Kletterkurse....

Immer noch führen hundert Wege nach Rom und das ist gut so!  Jeder ist aus einem gedanklichen Hintergrund entstanden, aufbauend auf Erfahrungen und Situationen die im Moment der Weggestaltung vorherrschten.

Genau in diesem Sinn sind meine Kletterkurse aufgebaut. Eure Erfahrungen möchte ich mit Tipps und Tricks ergänzen, damit ihr euren persönlichen " Weg nach Rom" verfolgen könnt.

Verscio , 26.10. 2007    Pesche

 

Foto: Rainer Eder