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Editorial Seite 1/1

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Persönliche Geschichte(n) einer Kletterlaufbahn

Aller Anfang ist schwer

In erster Linie war damals mein Rucksack, Marke superpreisgünstig und dementsprechend unbequem, um einiges zu schwer beladen!

Auf dem Gipfel des „Gälihorns“ 2150m ü. M. also genau 1000 Höhenmeter nach meinem früh morgendlichen Abmarsch von Kandersteg, suchte ich verzweifelt meine Trinkflasche. Ich wühlte mich durch diverse Kleidungsstücke zum Rucksackboden vor, ohne Sie aufzufinden. Eine Tafel Schokolade, ein Stück Brot etwas Käse und ca. 5 kg Steine!? –  Wieso um alles in der Welt mussten Steine in meinen Rucksack und nicht diese blöde Trinkflasche?  Ist das das Los eines Bergsteigerhelden, oder besser eines „Möchtegernbergsteigerhelden“ zu welchem ich mich berufen sah.
Mit 10  Jahren hat man Träume, will Berufe erlernen wie Zugführer oder Pilot.
Ich wollte Bergsteiger werden und mit 25 Jahren auf dem Mount Everest stehen, wie mein damaliges Vorbild Dölf Reist. Eine kleine Schweizerfahne würde ich an meinem Eispickel befestigen und diesen dann auf dem höchsten Punkt der Erde zurücklassen Eine romantische Vorstellung; aber wie immer kam alles anders als man denkt.
Sicher war nur eins: Immer wenn ich wieder trainieren wollte waren in meinem Rucksack 5 Liter Flüssigkeit, an Stelle der Steine!

Wie bastle ich eine Trittleiter?

Meine Schulkameraden „verschlangen“ damals Abenteuerbücher wie Robinson Crusoe oder Huckle Berry Fin, für mich war es zu jener Zeit „Die weiße Spinne“ von Heinrich Harrer, ein Buch dass meine ganze Aufmerksamkeit beanspruchte. Wenn ich mich darin vertieft hatte, konnte mich nichts aus der Eigernordwand zurückbringen, selbst wenn die Welt untergegangen wäre, ich hätte dies nicht wahrgenommen. Nur gerade eine, wenn auch etwas „trockene“ Lektüre von Pit Schubert, konnte da mithalten.
Aus diesem Buch erhielt ich diverse klettertechnische Informationen,zum Beispiel, klettern heißt spreizen, oder immer drei Haltepunkte am Fels usw. usw. Im Anhang waren da noch die Schwierigkeitsgrade mittels eines Bildes erläutert. Für mich war klar dass die Grade 3-6 ausgelassen werden können. Die Bilder waren unspektakulär und nicht einmal Überhängend. Aber bei A3 und A4, da schien die Post abzugehen. Genau das richtige für mich.  Mein Problem bestand von diesem Zeitpunkt weg aus dem beschaffen von mindestens zwei bis drei Trittleitern. In meiner Geldbörse herrschte Ebbe, mein Vater wollte ich nicht fragen, aus Angst mein „Unternehmen A4“, würde von Beginn weg scheitern. Blieb mir entsprechend nur noch die Möglichkeit diese Leitern irgendwie selbst herzustellen. Ein altes Alu L- Profil, welches wie ein Geschenk vom Klettergott einfach so im Keller vor sich hin verstaubte, wurde schnellstens zu Leitersprossen umfabriziert.  Mit einer Wäscheleine verband ich die Sprossen zu meinen Trittleitern. Stolz durfte ich meine neuen Ausrüstungsteile zu meinen bereits vorhandenen packen. Sie bestand aus einer 30m Nylon Reepschnur (Kindersicherung auf steilen Bergwegen), einem Eisenkarabiner mit einer Bruchlast von 5000kg und dementsprechend schwer, einem Alukarabiner, er war der Grund dass in meinem Geldbeutel kein solches zu finden war, und zwei Feuerwehrkarabiner. Weiter ein umfabrizierter „Spielmotorradhelm“ selbstverständlich mit gefälschtem UIAA Label, drei verschieden Lange Hanfseilstücke, ein Cassin Felshaken  Modell Rosthaufen, ein Hammer aus dem Bastelkasten und neu 3 Trittleitern Homemade.
Nun blieb mir nicht anderes übrig, auf die fünf Wochen Sommerferien in Kandersteg zu warten.
Bis dahin verbrachte ich noch viele Stunden mit Heinrich Harrer in der Eigernordwand.

Der Holzkeilriss

Jedes Unternehmen musste bis ins letzte Detail geplant werden. Soviel war mir nach der „weißen Spinne“ klar. Im Weiteren war es wichtig die Sache möglichst geheim zu halten, damit kein Konkurrent die „Wand“ möglicherweise vor mir durchsteigen kann.
Also kein Wort zu Vater, noch zur Mutter, geschweige den zu meinen damaligen Spielkameraden , den Steiner Brüdern.
Zum Glück war diese 1800m Nordwand in Kandersteg ein Produkt meiner Kinderfantasie. Sie bestand aus einem, Zustieg über einen Gletscher,( in Wirklichkeit war es eine Wiese.) einem Gletscherschrund (es war ein Wasserkanal), einem 600m Vorbau im 4 Schwierigkeitsgrad, (6m steile Grasschroffen), einer 1000m überhängenden, mit einem Riss durchzogener Hauptwand (10m Block mit Riss) und einem 200m Eisfeld mindestens 50° Steil (2m mit Moos bedeckte Felsplatte.).
Der erste Versuch endete bereits nach dem Vorbau. Verzweifelt schlug ich auf meinen „Cassinrosthaufen“ ein, doch dieser wollte in keiner Ritze Halt finden. Für den schönen Handriss war dieser aber zu dünn, also kein Gipfelerfolg!
Die Lösung zum Problem Handriss entnahm ich aus besagtem Lehrbuch von Pit Schubert. Sie hieß Holzkeile, und diese wiederum bastelte ich aus dem Brennholzvorrat unseres Hauses.
Mein Kampf mit dem Riss dauerte einen ganzen Tag, und manch einer wird sich wundern, warum wohl an diesem Felsblock ein Riss voller morschem Holz anzutreffen ist.

FORTSETZUNG FOLGT, sofern ich die Zeit zum schreiben finde

 

 

 


1977 in der Route Kamelbuckel im Sensengraben bei Schwarzenburg
 


1980  Training an der Bruchsteinmauer am Casino in Bern


Baby Apes 5.12c im Joshua Tree, eine legendäre Route von Jon Bachar. Pesche 1986 in action


Und Heute